5 Fragen zur Baukultur – Antworten Liberales Forum

Antworten von Spitzenkandidatin Heide Schmidt

1. Die Verbreitung der Ergebnisse des Baukulturreports ist wie o.a. kultureller Auftrag. In einer vernetzten Informationsgesellschaft ist dies für mich weniger eine Frage von entsprechenden Budgetmitteln, sondern vielmehr eine des politischen Willens und eines klaren ministeriellen Auftrages. Die Wissensvermittlung von Kultur beginnt für mich bereits in den Schulen, denn schon hier muss ein Bewusstsein für den Wert von Kunst, Kultur und damit auch der Architektur geprägt werden. Politische EntscheidungsträgerInnen sollten mit diesem Bewusstsein bereits ausgestattet sein.

2. Die 9 Bauordnungen in Österreich habe ich immer als großen Unfug abgelehnt. Schon in meiner Funktion als Vorsitzende des Kulturausschusses im Parlament habe ich auf die Leistungen der ArchitektInnen und Bauverantwortlichen als wichtigen kulturellen Beitrag hingewiesen und ich befürworte eine konzentrierte und entsprechend dotierte Koordinationsstelle, die ja per Entschließung schon vorgesehen, aber derzeit noch zahnlos ist. Diese sollte nicht nur die notwendige Überzeugungsarbeit bei den BürgermeisterInnen und den Gemeinden leisten, sondern insbesondere auch Öffentlichkeitsarbeit, um das Bewusstsein zu schärfen, welchen kulturellen Stellenwert kreative, innovative und zukunftsorientierte Baukultur hat. Wenn wir davon ausgehen, dass wir 90% unser Zeit in Gebäuden verbringen und die Lebensqualität in entsprechendem Ausmaß von der Qualität der Bauten abhängt, ein Großteil der Investitionen in Immobilien fließt und die Ästhetik der Umwelt nicht nur davon abhängt, sondern auch ein entscheidender Tourismusfaktor ist, dann wird klar, welch wichtigen Beitrag eine Koordinierungsstelle für Baukultur leisten könnte. Auf den Punkt gebracht: Architektur trägt wesentlich zur Prägung unseres Lebens und der Mentalität einer Gesellschaft bei.

3. Für die Raumordnung gilt wie für die Bauordnung: Wozu 9 verschiedene und kein Österreich weites Raumordnungsgesetz? Bei verfassungsrechtlichen Verankerungen bin ich skeptisch und vorsichtig, nicht nur in diesem Zusammenhang. Klar aber ist, dass die gesetzliche Festlegung einer Planwertabschöpfung, wie sie in Deutschland oder Südtirol bereits existiert, ermöglicht werden muss.

4. Schwierigkeiten sehe ich hier insbesondere bei der Definition von Kriterien. Worum es also geht, ist, dass Qualitätsprozesse permanent, fair und transparent beobachtet und evaluiert werden, was natürlich eine entsprechende Dotierung voraussetzt. Dies setzt eine Anhebung des Forschungsförderungsniveaus auf europäischen Standard voraus, damit gewährleistet ist, dass immer die neuesten und besten technischen, thermischen und ökologischen Erkenntnisse umgesetzt werden können. Gewährleistet sein muss, dass neben der Wohnbauförderung die Vergabe von öffentlichen Mitteln in allen Bundesländern einer Qualitätskontrolle unterliegen.

5. Ich glaube, dass ich als Kultursprecherin der Liberalen während meiner Zeit im Parlament mein Bekenntnis und die Wertschätzung für die Leistungen der Kulturschaffenden immer klar zum Ausdruck gebracht habe, wobei es mein Ziel war, dass sich diese auch von mir vertreten fühlen. Sowohl in unseren bildungs- als auch in den kulturpolischen Forderungen nach mehr Fairness finden sich die Aufwertung der Kulturvermittlung und der Ausbildung der PädagogInnen. Wir treten für einen fairen Zugang zu Förderungen ein, für eine Erhöhung des Forschungsbudgets und für eine Steuerreform nach ökologischen Kriterien, was wiederum auch der Baukultur zugute käme.