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Es kann in Wien nie genug neue Stadien für Fußballer geben, Johann Skocek

(Replik auf “Das neue Haus in der Vorstadt” von Johann Skocek im Falter 29/16)

 

Bei Kritik an politischen Entscheidungen, die die Baukultur beeinträchtigen, hört man oft das Kostenargument: Wir würden ja gern, aber mehr können wir uns leider nicht leisten. Beim Fall der beiden Wiener Stadien geht es genau darum eben nicht. Hier wurde sehr viel Geld von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt für etwas, das nicht unbedingt nötig ist, der „Teufelskreis der Notwendigkeit“ wurde durchbrochen – allerdings ohne damit einen Ort der Fantasie, der Kultur zu schaffen. Während jede andere bedeutende Stadt der Welt die Chance eines Stadionbaus dazu nützen würde, eine architektonische Landmark zu erhalten und einen positiven Beitrag für das städtische Umfeld zu leisten, ist es in Wien schlicht wurscht, wie das ausschaut. Gerade lief das EM-Endspiel im großartigen Stade de France, nicht weit von Wien realisierten die Stararchitekten Herzog/de Meuron die herausragende Allianz-Arena in München, aber in Wien baut das Rapidstadion ein Architekt, von dem keiner je etwas gehört hätte. Das wäre natürlich kein Problem, wenn dieser Unbekannte siegreich aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen wäre. Aber das war nicht der Fall, er wurde offensichtlich von der beauftragten Baufirma ausgewählt. Man kann sich vorstellen, dass dabei architektonische Qualität nicht das wichtigste Kriterium war. Die Stadt hat, wie sie sich beeilte festzustellen, streng nach Vergaberecht gehandelt – aber das Problem ist nicht, dass gegen Gesetze verstoßen worden wäre, sondern dass Basis der Entscheidung Kulturlosigkeit war. In der Sphäre der Notwendigkeit, beim geförderten Wohnbau, wo der Beitrag der öffentlichen Hand zu den Gesamtkosten viel niedriger ist als bei den Stadien, achtet die Stadt in jedem einzelnen Fall, bei jedem noch so kleinen Wohnhaus, streng auf Qualitätskriterien – und das ist auch gut so. Aber gerade bei einem Stadionbau, der die umgebende Stadt massiv bestimmt und durch seine schiere Größe öffentliche Bedeutung besitzt, ist Qualität offensichtlich egal. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest die Spiele in diesen Stadien dazu beitragen, den Zuschauern Zeiten der Fantasie zu liefern; für die Stadtbenützer, die von außen mit ihnen konfrontiert sein werden, sind es garantiert keine Orte der Fantasie. Ein guter Tipp dazu: Architektonisch herausragende Projekte erhält man durch Architekturwettbewerbe. Das ist keine Frage hoher oder niedriger Kosten, sondern eine der Kultur.

 

Bild: www.allianz-stadion.at
Bild: www.allianz-stadion.at

Ein Gedanke zu „Es kann in Wien nie genug neue Stadien für Fußballer geben, Johann Skocek

  1. Viele sagen immer alle Renovierungen hätten dieselben Auflagen. Allerdings so stimmt das nicht! Man will sich halt nicht tausende Fußballfans nicht zu Feinden machen. Es ist interessant zu lesen, das Steuergeld für ein Bauwerk von jemandem ausgegeben wird, den man in der Branche nicht wirklich kennt.
    Hier werden dann keine Auflagen ausgegeben beziehungsweise sich daran gehalten.

    Was die Baufirma (http://www.koenig-heinrich.at/sanierung/badsanierung), die mein Badezimmer renoviert hat für Auflagen erfüllen musste will ich gar nicht beschreiben. das ist schon ziemlich unfair. Bei so riesen Investitionen wird nichts gesagt, aber wehe jemand renoviert sein Bad, dann muss man alles erfüllen, was man sich nur vorstellen kann.

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