Gute Architektur für Wohnen, Arbeiten,
Bildung, Freizeit, Gesundheit ermöglichen

Architekturqualität ist Lebensqualität. Allerdings wird hochwertige Architektur viel zu selten als wichtiges Ziel gesehen: Immer wieder wird die Leistung guter Architektur einfach ignoriert, oder die Rendite wird über alles gestellt. Ebenso schädlich sind Planungen, die nicht mehr tun als technische Regeln abzuhaken oder die keine Rücksicht auf das Umfeld nehmen. Dem gegenüber steht Architektur, die die Lebensqualität ihrer Benützer*innen fördern will – im Wohnbau, wo Qualität meist mit niedringen Kosten verbunden werden muss; bei Arbeitsplätzen, die für viele der zweitwichtigste Aufenthaltsort sind; und beim Bauen für Bildung, Freizeit und Gesundheit, wo Architektur wichtige Beiträge zum Lernen, zur Erholung und zur Gesundung leistet.

Erste Campus, Wien
Architektur: Henke Schreieck Architekten
Landschaftsarchitektur: Auböck + Kárász

© Werner Huthmacher

Das Problem

Minderwertig gestaltete Gebäude fürs Wohnen und für Arbeit, Bildung, Freizeit und Gesundheit beeinträchtigen unser aller Lebensqualität massiv. Sie sind schlecht nutzbar, sie sind hässlich, sie separieren Menschen, statt sie zusammenzuführen, und sie fördern Lebensweisen, die nicht nachhaltig sind.

Die Lebensqualität wird nicht nur von den großen Fragen der Raumplanung, des Städtebaus und der Freiraumgestaltung bestimmt, sondern natürlich auch von der Qualität der einzelnen Gebäude, von ihrer Architektur. Das wichtigste Thema der Architektur ist das Wohnen, das unser aller Lebensalltag am stärksten beeinflusst – ob nun im Einfamilienhaus im Speckgürtel, ob im Ortskern oder in der dichten Stadt. Die Qualität unserer Wohnhäuser und Wohnungen ist die zentrale architektonische Aufgabe, die jedoch leider sehr oft nicht in höchster Qualität gelöst wird. Ähnliches gilt jedoch leider auch für viele andere Bautypen:

  • Wohnhäuser werden häufig vorrangig nach Investitionskriterien gestaltet, das bedeutet, ihr Ertrag wird wichtiger genommen als ihr Wohnwert, und es wird nicht genug dafür getan, das Wohnen leistbar zu machen. Wohnhäusern wird oft zu wenig Zeit für gute Planung und Projektentwicklung gewidmet, um hochwertige Grundrisse auch auf kleinem Raum, angenehm nutzbare und die Kommunikation fördernde Erschließungsflächen und sinnvolle Verknüpfungen mit anderen Nutzungen zu ermöglichen.
  • Bürohäuser und andere Arbeitsplätze werden oft ohne entsprechendes Augenmerk auf Architekturqualität gestaltet, sodass sie die tägliche Arbeit, die in ihnen stattfinden soll, eher unangenehmer machen als positiv unterstützen. Es geht bei ihrem Bau vorrangig darum, rechtliche Vorgaben abzuhaken und möglichst hohe Rendite zu erreichen, aber kaum um die Lebensqualität der Nutzer*innen. Schlechte Arbeitsräume reduzieren nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Arbeitsqualität.
  • Schulen und andere Bildungseinrichtungen sollen das Lernen durch ihre Raumqualität unterstützen, nicht behindern, was immer noch viel zu oft der Fall ist. Sie dienen im Idealfall als Anschauungsbeispiele für gute Architektur und vermitteln so Kompetenzen für die Auseinandersetzung mit dem gebauten Raum, die alle Bürger*innen brauchen.
  • Gebäude für Freizeit und Gesundheit sind ebenso wichtige Voraussetzungen für Lebensqualität – diese können sie allerdings nur dann bieten, wenn bei ihrer Planung auf hochwertige Architektur geachtet wird.

 

© Reinhard Seiß

© Reinhard Seiß

Baukultur hat Lösungen!

Für die Qualität der Architektur im eigenen Ort oder der eigenen Stadt kann man viel tun: Qualitätssichernde Planungsverfahren einsetzen, öffentliche Diskussion und Partizipation betreiben, im eigenen Wirkungsbereich auf gute Architektur setzen.

Viele Voraussetzungen für hohe Wohn- und Lebensqualität sind städtebaulicher Natur: kein Bauen auf der grünen Wiese, Nutzungsmischung, Eignung für fußläufige Alltagswege, Sanieren und Weiternutzen von Bestandsbauten und Bestandsgrundstücken, Stärkung von Orts- und Stadtzentren. Es geht aber auch um die Architekturqualität der einzelnen Wohnhäuser, und dafür ist es sinnvoll, Architekturwettbewerbe und Gestaltungsbeiräte einzusetzen, die lokale Diskussion über Bauqualität durch öffentliche Veranstaltungen zu fördern und Partizipation in der Planung zu ermöglichen. Insbesondere Bildungsbauten sind ideale Anlässe für Beteiligung im Ort oder in der Stadt, ob nun bei Neubauten oder Sanierungen. Bildungsbauten können, wenn sie hochwertig genug gebaut werden, als wichtige Identifikationspunkte im Ort oder im Stadtteil dienen. Auch qualitätvolle Unternehmensbauten sind oft wichtige Identifikationspunkte, sowohl für das Unternehmen und seine Beschäftigten als auch für die Stadt. Dies ist umso wichtiger, als alle Beschäftigten einen großen Teil ihrer Lebenszeit in derartigen Arbeitsräumen verbringen. Gesundheitsbauten sollen neben den Grundvoraussetzungen guter und angenehmer Nutzbarkeit auch zur Gesundheit ihrer Benützer*innen einen Beitrag leisten können. Öffentliche Förderungen für Bauten und Projekte, an denen öffentliche Stellen beteiligt sind, sollen an Qualitätskriterien gebunden sein. Auch die Unterstützung für spezielle Wohntypologien wie Baugemeinschaften und Wohnangebote von sozialen Trägern führt gewöhnlich zu mehr Qualität.

Wiederbelebung der Ortsmitte in Fließ.
Bürgerbeteiligung durch nonconform
Architektur: Daniela Kröss und Rainer Köberl 

© Lukas Schaller

Quartiershaus Grätzelmixer, Baugruppenprojekt mit Wohnungen und einem Gewerbelokal, Sonnwendviertel, Wien
Architektur: Kabe Architekten
Landschaftsarchitektur: Yewo

© Grätzelmixer

Grundlagen für Baukultur schaffen!

Für die Qualität unserer gebauten Umwelt können die Bundes- und Landespolitik wichtige Grundlagen legen, auch dort, wo sie nicht selbst bauen. Dies geschieht etwa durch die Qualitätsbindung öffentlicher Mittel, durch Förderung von Architekturwettbewerben und Gestaltungsbeiräten sowie durch Unterstützung von Sanierungen und die Nutzung von Brachen.

Bundes- und Landespolitik sollen einen Rahmen für nachhaltige Flächennutzung setzen, der auch die alltägliche Lebensqualität fördert: Vorgaben für klimagerechte Widmung, Stärkung von Orts- und Stadtkernen, umweltgerechte Mobilitätsformen. Doch die Möglichkeiten der Bundes- und Landespolitik gehen darüber hinaus. Sie kann hohe Architekturqualität als Ziel ihrer eigenen Projekte – Bildungsbauten, Amtsgebäude, Gesundheitsbauten usw. – festlegen, aber auch ein qualitätsförderndes Umfeld für Bauten der Gemeinden und von Privaten bieten. Dazu zählt die Festlegung von Qualitätskriterien für öffentliche Förderungen und andere öffentliche Mittel wie etwa Bedarfszuweisungen, unter anderem im Wohnbau, im Gesundheitsbereich und im Tourismus. Im Bildungsbau sollte insbesondere auf Bestandsnutzung und Beteiligung gesetzt werden. Dazu zählt auch ein Baukulturförderprogramm für Städte und Gemeinden und ein klimagerechtes Sanierungs- und Neubauprogramm für öffentliche Bauten.

Gemeinschaftlich nutzbare Freiräme in der Gartenstadt Puchenau bei Linz.

Architektur: Roland Rainer

© Reinhard Seiß

Mit Partner*innen aktiv werden

Architekturqualität im eigenen Ort, im eigenen Stadtteil ist ein Thema, für das man sich lokal engagieren kann: Durch öffentliche Gespräche und Diskussionen, durch das Einfordern von Beteiligungsformaten für die Planung und dadurch, dass man Architekturqualität als gemeinsames Ziel der lokalen Bevölkerung für jene sichtbar macht, die bauen – ob es nun die öffentliche Hand ist, ein Wohnbauträger, ein Schulträger oder ein Unternehmen.