Landschaft entsteht durch das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Kultur.  Ein Landschafts-Raum ist kulturell geprägt und ein vielschichtiges Phänomen, das gleichermaßen natürliche, ländliche, städtische und stadtnahe Gebiete umfasst. Wie Landschaften gestaltet sind, ist von wesentlicher Bedeutung für das menschliche Leben und Ausdruck der Vielfalt des jeweiligen Kultur- und Naturerbes. Erhalt, Pflege und Weiterentwicklung von Landschaft ist eine der wichtigsten baukulturellen Aufgaben und Leistungen.

Kapelle Salgenreute, Krumbach, Vorarlberg
Architektur: Bernardo Bader

© Adolf Bereuter

Landschaften und ihre Wahrnehmung

Der Begriff Landschaft wird meist positiv verstanden und verbindet Erlebnisse mit Emotionen und einem idealisierten Bild von Schönheit. Sie ist kulturell überformte Natur, die für die Betrachter*innen ästhetisch wahrnehmbar ist.

Nicht die Wiesen und Felder, das gebaute Wohnumfeld oder der Fluss als Wasserstraße sind als solche schon Landschaft. Erst durch die menschliche Wahrnehmung wird sie zum Schönen, zur ästhetischen Landschaft. Hässliche oder zerstörte Landschaften werden dagegen oft ausgeblendet und verdrängt. Verstärkt durch die mediale ausschnitthafte Darstellung entsteht eine Dialektik zwischen einer für touristische bzw. erholungssuchende Zwecke dienenden idealisierten, vielfältigen und schönen Landschaft einerseits und einer alltäglichen Landschaft andererseits, die für Gewerbe, Wohnen oder auch für die Abfallentsorgung benützt wird. Qualitätsvolle Baukultur ist dann möglich, wenn diese beiden sich vorerst gegenüberstehenden Landschaftsbegriffe gemeinsam gedacht und betrachtet werden und Bau, Gestaltung und Pflege diesem Bewusstsein folgen. Ziel ist der Erhalt und die Weiterentwicklung des kulturellen Erbes, zu dem die Kulturlandschaft zählt.

Dazu sind Raum- und Landschaftsplanung als strukturierende und ordnende Instrumentarien gefragt, um schärfer zwischen Baugebieten und Landschaften, die von Gebäuden und weiteren Nutzungen freigehalten werden müssen, zu trennen. Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen sollten in diesem Sinne von der Erfahrung der Benutzer*innen sowie vom Ort, seiner geschichtlichen Tradition und Situation ausgehen. Eine integrale Sichtweise mit einem Verständnis für sich ändernde Wechselwirkungen und Zusammenhänge ist dafür notwendig.

Landschaft als Ressource

Landschaft ist Grundlage für die Produktion von Lebensmitteln, Rohstoffen fürs Bauen, für Energiegewinnung und Bauland. Gleichzeitig bietet sie Erholung. Intakte Landschaften beherbergen vielfältige Gemeinschaften von Tieren und Pflanzen, die vor Hochwasser, Muren und Lawinen schützen und Luft und Trinkwasser in hoher Qualität zur Verfügung stellen. Sie dienen der Erhaltung der Biodiversität, dem Kleinklima und dem Klimaschutz.

Landschaft ist eine endliche Ressource - gerade in einem Gebirgsland wie Österreich, wo sich nur knapp 40 Prozent der  Landesfläche als Dauersiedlungsraum eignen. Hier werden Infrastrukturen und jährlich rund 25.000 neue Gebäude errichtet (mit stark steigender Tendenz), Betriebs-, Erholungs- und Abbauflächen gewidmet und Landwirtschaft betrieben. Österreichs Topografie und die trotz eines gewaltigen Strukturwandels in Land- und Forstwirtschaft immer noch vorherrschende klein strukturierte Bewirtschaftung bilden die Grundlage für den landschaftlichen Reichtum und die biologische Vielfalt. Mit rund 20 Prozent verfügt Österreich zudem über einen europaweit sehr hohen Anteil an Biolandwirtschaft. Die Landschaft ist neben der Attraktivität der Städte Hauptgrund für die mehr als 135 Millionen jährlichen Nächtigungen. Im Gegensatz dazu kennzeichnen ausgeräumte, eintönige Landschaften die intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiete. Anstelle kompakter Siedlungen findet man vielerorts einen regelrechten Siedlungsbrei vor. Infrastrukturen wie Autobahnen, Stromtrassen, Windkraftanlagen etc. stellen erhebliche Landschaftseingriffe dar und aktuell gewinnt Landschaft auch als Grundlage für die Erzeugung erneuerbarer Energie an Bedeutung.

Trotz der knappen Ressourcen ist Österreich „Europameister“ im Flächenverbrauch. Innenentwicklung und Nachverdichtung statt einer weiteren Ausuferung der Siedlungs-, Industrie-, Gewerbe- und Handelsgebiete sind folglich zentrale baukulturelle Herausforderungen. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind erforderlich um dessen Folgen möglichst gering zu halten und Chancen zu nutzen. Die Landschaft muss Spielräume für die Zukunft offenhalten und Freiraum für Bedürfnisse schaffen, die noch gar nicht bekannt sind. Mit Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks stehen 28 Prozent der Landesfläche unter Schutz und bieten eine gute Grundlage für Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Boden- und Biodiversitätsschutz.