Lebensqualität in Orten
und Städten gestalten!

Architektur und Freiraumgestaltung leisten wichtige Beiträge für funktionierende Dörfer und Städte und tragen durch Gebäude und Freiräume zur Lebensqualität aller bei – weil sie diese Räume funktional, angenehm, dauerhaft und schön machen. Das geht aber nicht von selbst, sondern braucht Menschen, die etwas gegen die Probleme tun und sich für ihre eigene Lebensqualität und die ihrer Nachbar*innen einsetzen: für öffentliche Räume mit Aufenthaltsqualität; für Dörfer und Städte, die für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gestaltet sind; gegen Gewerbegebiete und Einfamilien-hausteppiche auf der grünen Wiese; und für lebendige Ortskerne.

Kindergarten Niederolang, Olang, Italien
Architektur: feld72 Architekten 

© Hertha Hurnaus

Das Problem

Städte und Dörfer haben ein Problem, wenn sie bei ihrer Entwicklung zu sehr auf die Abhängigkeit vom Auto setzen: Gewerbe, Handel und Gastronomie werden zunehmend an den Ortsrand, in Gewerbegebiete beim Kreisverkehr verlagert, sodass man sie nur mehr per Auto erreichen kann. Die Orts- und Stadtkerne sterben deshalb aus. Parallel dazu wird auch das Wohnen immer mehr an den Stadtrand verlagert und autoabhängig. Einerseits entsteht so immer mehr Verkehr, andererseits verödet das Zentrum. Sie haben ein Problem, wenn sie nicht auf Qualität von Architektur und Freiräumen setzen: Wenn in großen und kleinen Städten, Dörfern und Siedlungen die Gebäude und Freiräume schlecht gestaltet sind, ist das nicht nur ein ästhetisches Thema.
Schlechte Architektur und Freiraumgestaltung bedeuten

  • funktionale Mängel, die Benützung der Gebäude und Freiräume ist schwierig, unübersichtlich, macht den Alltag komplizierter;
  • schlechte Lebensqualität, das Leben in diesen Räumen ist unangenehm, man zieht sich in den Privatbereich zurück; der Verlust sozialer Kontakte bis hin zur Vereinsamung ist die Folge;
  • mangelnde Dauerhaftigkeit, die Gebäude und Freiräume sind schlecht benützbar und niemand will sie erhalten, deswegen werden sie bald wieder abgerissen und neu gebaut; ohne Identifikation werden diese Gebäude vernachlässigt und ziehen Vandalismus an;
  • fehlende Schönheit, die Räume werden von kaum jemandem gewollt und machen niemandem Freude.

Völlig autoabhängige Dörfer und Städte, Gewerbe und Wohnen am Ortsrand, sterbende Orts- und Stadtkerne sowie Architektur und Freiräume in schlechter Qualität reduzieren Lebensqualität.

© Reinhard Seiß

Einkaufen in solchen Lagen ist nur mehr mit dem Auto möglich.

© Reinhard Seiß

Baukultur hat Lösungen!

Politiker*innen und engagierte Bevölkerung können sich für Qualität in Architektur und Freiraumgestaltung einsetzen: durch Gestaltungsbeiräte, Architekturwettbewerbe, Beteiligung und öffentliche Diskussion. Weiterer Flächenverbrauch muss verhindert werden.

Natürlich steigt die Lebensqualität in Orten und Städten, wenn sich mehr Menschen für gute Architektur und gute Freiraumgestaltung einsetzen. Aber man kann auch als Lokalpolitiker*in einiges tun, um die Lebensqualität durch Baukultur zu fördern: Städte und Dörfer können Gestaltungsbeiräte einsetzen, um die Qualität von Architektur und Städtebau zu erhöhen. Sie können Architekturwettbewerbe durchführen, um zu den besten architektonischen Lösungen für ihre Raumfragen zu kommen. Sie können Themen der Raumgestaltung, ob nun Gebäude oder öffentliche Räume, mithilfe von Bürger*innenbeteiligung diskutieren und weiterentwickeln. Das trägt bei zu einer lokalen, laufenden Diskussion über Raumqualität und Lebensqualität, die nicht nur, aber auch durch Architektur, Städtebau und Freiraumplanung gesteigert wird. Ebenso wichtig ist es, bei der Ausweisung von Gewerbe- und Wohnflächen darauf zu achten, dass die Ortskerne gestärkt werden: Keine Gewerbegebiete auf der grünen Wiese widmen, sondern Flächen im Ortskern verfügbar machen, Erdgeschoßnutzungen fördern und dort den öffentlichen Raum verbessern – und für die Areale, die jedenfalls gebraucht werden, mit Nachbargemeinden kooperieren. Wenn man zivilgesellschaftliches Engagement unterstützt, Sanierungen fördert und hilft, dass das Wohnen und Arbeiten im Ortskern attraktiver wird und leichter möglich ist, dann ist viel gewonnen!

Kinderhaus Kennelbach, Vorarlberg
Architektur: HEIN Architekten

© David Schreyer

Grundlagen für Baukultur schaffen

Qualitätsbindung von öffentlichen Mitteln, Förderung von Gestaltungsbeiräten, Architekturwettbewerben und Beteiligung, von Sanierung und Ortskernaufwertung verbessert die Lebensqualität im Dorf und in der Stadt.

Die wichtigste Maßnahme, um die Attraktivität von Orts- und Stadtkernen zu steigern, ist eine Qualitätsbindung von öffentlichen Mitteln: Bedarfszuweisungen, Wirtschaftsförderungen, Wohnbauförderungen sollen dann fließen, wenn die damit finanzierten Projekte die Kerne stärken und nicht in die Fläche ausufern. Dazu zählen auch eine qualitätsorientierte Baukulturförderung für Städte und Gemeinden und die Förderung von Forschung zum Thema. Außerdem brauchen Lokalpolitiker*innen Unterstützung, ideell und finanziell, für die Einrichtung von Beiräten, für die Durchführung von Wettbewerben und Beteiligung, für Sanierungen und Ortskernaufwertungen. Für die örtliche Raumplanung sind Rahmenvorgaben nötig, die eine flächenfressende Widmung verunmöglichen, Widmungen im Außenbereich müssen verhindert werden. Zusätzlich soll die Landes- und Bundespolitik öffentlichen Verkehr und Rad- und Fußgängerverkehr fördern.

Fußgängerzone in Lienz Osttirol.

© Reinhard Seiß

Mit Partner*innen aktiv werden

Damit im eigenen Ort, in der eigenen Stadt gute Architektur und gute Freiraumgestaltung entstehen können, braucht es engagierte Leute, die sich darum kümmern – ob nun Politiker*innen, Bewohner*innen, Gewerbetreibende oder andere Interessierte und Betroffene. Dafür ist es sinnvoll, Netzwerke zu knüpfen, beispielsweise durch Veranstaltungen zum Thema, die man mit Expert*innen und Interessierten durchführt; oder durch Bürger*inneninitiativen und Beteiligungsprojekte. Hilfreich kann auch der Kontakt mit einer Architekturvermittlungsinstitution sein.