Nachhaltiger Tourismus als Chance für das Gelingen von Baukultur!

Abwechslungsreiche Landschaften im Zusammenspiel mit mancherorts umfassend erhaltenem baulichem Erbe tragen wesentlich zur touristischen Attraktivität Österreichs bei. In einer förderlichen Wechselbeziehung von Tourismuswirtschaft und dem Erhalt und der Weiterentwicklung von Naturräumen, Kulturlandschaften und hochqualitativer Baukultur liegen vielfältige Chancen. Zunehmend führt das Aufeinandertreffen einer globalisierten und digitalisierten Tourismusindustrie mit dem Streben nach Profitmaximierung aber zu vielschichtigen Fehlentwicklungen, die aus Sicht der Baukultur etwa den Verlust von Authentizität betreffen.

Schihütte Wolf, Lech am Arlberg, Vorarlberg
Architektur: Bernardo Bader

© Adolf Bereuter

Das Problem

Im Sinne der Definition der Welttourismusorganisation UNWTO soll nahhaltiger Tourismus unter Berücksichti-gung der Bedürfnisse der Gäste sowie der einheimischen Bevölkerung, der Interessen der Tourismusbranche sowie der Schonung der Umwelt, seinen gegenwärtigen und zu-künftigen Wirkungen umfassend Rechnung tragen. In Ös-terreich mit knapp 150 Millionen jährlichen Urlaubernäch-tigungen bei nur 8,8 Millionen Einwohnern einem der tou-rismusintensivsten Ländern weltweit ergeben sich daraus viele Herausforderungen, speziell auch in Hinsicht auf die baukulturelle Entwicklung.


Sozial, ökonomisch und kulturell:

• In touristischen Hot-Spots wie etwa Hallstadt, Salz-burg oder der Wiener Innenstadt stehen den Nächti-gungen etwa gleichhohe Zahlen an Tagesgästen gegen-über.
• Wohnraum wurde hier an Hotelketten verkauft, Woh-nungen werden an gut zahlende Touristen vermietet. Die Mieten der Einwohner werden in die Höhe getrie-ben.
• Im ländlichen Raum spiegeln flächen- und verkehrsin-tensive Appartments- und Chaletdörfer eine alpine Idylle abseits jeder lokalen Realität vor und sind oft nur wenige Wochen im Jahr genutzt.
• So sind in Tirol mit seinen begrenzten Flächenressour-cen aktuell 16.194 Freizeitwohnsitze, also Zweit-wohnsitze, die nur Erholungszwecken dienen, erfasst. Die Dunkelziffer illegalen Freizeitwohnsitzen wird aber deutlich höher angenommen.
• Lokale Infrastrukturen wie Verkehrssysteme, Müllentsorgung und Energieversorgung sind belastet, aber auch die Sehenswürdigkeiten, ob einzelne Gebäu-de, Straßenzüge oder Orte in der Natur sind vielfach überlaufen und ihre Qualitäten kaum mehr wahr-nehmbar.


Ökologisch:

• In Österreich sind nur 5.900 km² weitgehend natur-belassene und großtechnisch unerschlossene Land-schafts-und Naturräume. Das entspricht rund 7 Pro-zent der Staatsfläche. Diese Naturräume finden sich vorwiegend entlang des Alpenhauptkamms.
• In Folge des Klimawandels dringt der technisierte Wintertourismus mit neuen Aufstiegshilfen, Beschnei-ungsanlagen mitsamt Wasserspeichern in immer höhere Bergregionen vor.
• Auf stagnierende Nachfrage und wirtschaftlichen Konkurrenzkampf werden saisonverlängernde Maß-nahmen getroffen bzw. werden Ganzjahresangebote entwickelt.

Zerstörung der Landschaft durch touristische Übernutzung

© Karin Dollinger

Überfüllte Getreidegasse in Salzburg

Aus der Fotoserie "Gletscherpathologie"

© Lois Hechenblaikner

Baukultur hat Lösungen!

Der Schutz von Naturräumen und die Erhaltung und Weiterentwicklung von Gebäudebeständen die durch ihrer  geschichtlichen,  künstlerischen  oder  sonstigen  kulturellen  Bedeutung lokaler Authentizität fördern ist Grundlage für touristische Aktivitäten. Wichtig ist, dass der wirtschaftliche Nutzen aus dem Tourismus lokal reinvestiert werden kann um Lebensqualität im Sinne der ansässigen Bevölkerung vor Ort zu erhalten.

Auf Bundesebene ist im österreichischen Raumentwicklungskonzept ein Bekenntnis zum Prinzip der Nachhaltigkeit und zur Forcierung einer Siedlungs- und Freiraumentwicklung, die natürliche Ressourcen schont, festgehalten.

Das Denkmalschutzgesetz regelt den Umgang mit Kulturgütern von geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung. Es soll Zerstörung oder Veränderung verhindern.

Die österreichische Biodiversitätsstrategie 2020+ formuliert, dass Tourismus und Freizeitaktivitäten im Einklang mit Biodiversitätszielen zu erfolgen haben.

Im Rahmen der Alpenkonvention hat sich Österreich verpflichtet, Ruhezonen nach ökologischen Gesichtspunkten auszuweisen, in denen auf touristische Erschließungen verzichtet wird, (…) sowie unversehrte naturnahe Gebiete und Landschaften zu bewahren.

 

Auf Landesebene geht beispielsweise Salzburg in seinem neuen Raumordnungsgesetz auf Zweitwohnsitze ein. Durch das Gesetz wurden 82 von 119 Salzburger Gemeinden zu Zweitwohnsitz-Beschränkungsgemeinden, in denen entsprechende Widmungen nur mehr in eigens ausgewiesenen Gebieten erlaubt sind. Gemeinden können für Zweitwohnsitze eine spezifische Ortstaxe einheben. 2014 haben  63 Gemeinden dadurch rund eine Million Euro eingenommen.

Im Rahmen der Naturschutzgesetze der Bundesländer bestehen zahlreiche Schutzgebietskategorien. Ein verbindlicher Schutz ist allerdings nur in Kernzonen von Nationalparks, Sonderschutzgebieten, Naturschutzgebieten und Ruhegebieten  gewährleistet.

Georunde Rindberg, Sibratsgfäll, Vorarlberg
Architektur: Innauer-Matt Architektur, zs. mit Super Büro für Gestaltung

© Adolf Bereuter

Grundlagen für Baukultur schaffen!

Grundsätzlich können in Österreich sowohl Instrumente der Raumplanung beziehungsweise Raumordnung als auch des Naturschutzes geeignet sein, den Tourismus nachhaltig und im Sinne gelungener Baukultur zu entwickeln. Sie müssen im Sinne des Gemeinwohls zur Anwendung gebracht werden.

  • Erhalt des baukulturellen und kulturlandschaftlichen Erbes
  • Gewährleistung von Architekturqualität in Kontext des Tourismus
  • Stärkung der Orts- und Stadtkerne durch geeignete Nutzung
  • Keine Flächeninanspruchnahme neuer Flächen durch touristische Projekte
  • Entwicklung und Umsetzung eines österreichweiten Konzepts für Tourismus und Naturschutz
  • Festlegung von Grenzen für den Ausbau von touristische Infrastrukturen und der Ausweisung touristisch genutzter Flächen
  • Strikte Anwendung von Umweltverträglichkeitsprüfungen

Letztendlich wird es in Österreich darum gehen die Wachstumsorientierung in der Tourismuswirtschaft kritisch zu hinterfragen und in eine langfristige Qualitätsorientierung überzuführen. 

© Initiative Architektur / Jana Breuste

Mit Partner*innen aktiv werden!

Erreichung von Nachhaltigkeit im Tourismus liegt im Interesse Vieler. Baukultur kann dazu entscheidend beitragen.

Entsprechend der vielfältigen Interessen und Betroffenheiten im Bereich des Tourismus gehen Aktivitäten von unterschiedlichen Institutionen auf den unterschiedlichsten Ebenen aus.  So wird dem Tourismus im Green  New Deal der Europäischen-Kommission zum Thema und über die Europäischen Nationalfonds finanziell gefördert. Diverse Naturschutzorganisationen setzen sich international und national für  eine Ökologisierung des Tourismus ein. Auch staatliche Stellen sind mögliche Ansprechpartner*innen, etwa das Umweltbundesamt oder die Österreichische Raumordnungskonferenz.