Straßen und Infrastruktur

Bei Architektur denken die meisten Menschen an Gebäude. Doch Baukultur geht weit darüber hinaus: Neben Freiräumen sind Infrastrukturbauten wie Straßen, Eisenbahntrassen, Kraftwerksbauten oder auch Versorgungsleitungen sehr prägend für unsere Umwelt. Fast jedes auch noch so entlegene Haus ist in Österreich durch asphaltierte Wege erschlossen und an Trinkwasser-, Kanal-, Strom- und Kommunikationsnetze angebunden. Österreich hat eines der dichtesten Straßennetze in Europa, bezogen auf die Bevölkerungszahl. Der Anteil der Treibhausgasemissionen des motorisierten Individualverkehrs ist beträchtlich und steigt immer noch deutlich an. 

Begegnungszone Trofaiach, Steiermark
Gestaltung: stingl – enge Architekten

© Foto Freisinger

Straßen

Im internationalen Vergleich verfügt Österreich über ein extrem dichtes Straßennetz, etwa um ein Drittel mehr Autobahnkilometer pro Einwohner*in und sogar fünf Mal so viele Straßen insgesamt als beispielsweise Deutschland. Und auch sämtliche Nachbarstaaten mit Ausnahme von Slowenien verfügen über weniger Autobahnkilometer als Österreich.

2017 gab es in Österreich 138.696 km Straßen, verteilt auf Bundesstraßen inklusive Autobahnen, Landes- und Gemeindestraßen. Auch der Motorisierungsgrad ist sehr ausgeprägt und seit den 1960er-Jahren extrem stark gestiegen, wesentlich stärker als die Bevölkerung. Im Jahr 2019 kamen österreichweit 566 PKW auf 1.000 Einwohner*innen. 1965 waren es nur 109., Wobei eine große Differenz zwischen Stadt und Land besteht: Im Bezirk Waidhofen/Thaya gibt es pro 1.000 Einwohner mit 732 Pkw die meisten Autos in Österreich, im Wiener 15. Bezirk sind es mit 273 die wenigsten.

Der Anteil der Treibhausgasemissionen des motorisierten Individualverkehrs ist beträchtlich und steigt immer noch deutlich an. Die nur gering wachsende Zahl an Elektro-Autos fällt dabei bisher kaum ins Gewicht. Der Ausweitung des Straßennetzes über die letzten Jahrzehnte steht die Ausdünnung des Eisenbahnnetzes im gleichen Zeitraum gegenüber. Eine Trendumkehr ist hier jedoch ansatzweise erkennbar.

Diese Entwicklungen sowie die immer stärker um sich greifende Ansiedlung von Handels- und Gewerbeflächen außerhalb von Stadt- und Ortskernen sowie die weitläufigen Einfamilienhaussiedlungen bedingen die Zunahme von gefahrenen Kilometern mit den bereits erwähnten negativen ökologischen Auswirkungen.

Die Dominanz des Autoverkehrs, faktisch sowie gesellschaftspolitisch, trägt dazu bei, dass der Straßenraum kaum Aufenthaltsqualität besitzt und von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen primär als Gefahrenzone wahrgenommen wird.

Baukultur ist ein wichtiger Hebel, um in diesem Bereich für Veränderungen zu sorgen und die individuelle Nutzungsqualität des Straßenraums zu ändern – etwa durch Shared-Space-Modelle, bei denen alle Verkehrsteilnehmer*innen gleichberechtigt unterwegs sind, oder eigenständige Rad- bzw. Fußwege. Über die gesteigerte persönliche Lebensqualität hinaus wird damit auch die Klimabilanz verbessert.

Infrastruktur

Infrastrukturbauten tragen wesentlich zur Lebensqualität und Daseinsvorsorge bei. Man unterscheidet dabei zwischen Gebäuden der technischen und der sozialen Infrastruktur (zur grünen Infrastruktur siehe: Freiräume).

Zur technischen Infrastruktur zählen etwa die Energieversorgung, Bauten für Frischwasser und Abwasser, für die Müllentsorgung und Werkstoffverwertung sowie die Verkehrsinfrastruktur – Straßen, aber auch Flughäfen, Eisenbahn- und Busbahnhöfe, Schienentrassen sowie Tankstellen und Autobahnrastplätze.

Insbesondere Gebäude, aber auch die dazugehörige Infrastruktur die diesen Zwecken dienen, werden oftmals als reine Funktionsbauten gesehen, deren Gestaltung wenig Bedeutung zugemessen wird. Sie prägen jedoch sehr entscheidend unsere Umwelt und beeinflussen unsere Lebensqualität, daher ist es wichtig, auch ihnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegen zu bringen.

Bauten der sozialen Infrastruktur stehen stärker in der öffentlichen Wahrnehmung und sind oft sehr qualitätsvoll gestaltet, was sich auch durch die häufige Auszeichnung mit Architekturpreisen abbildet. Unter sozialer Infrastruktur versteht man Bildungsbauten (Kindergärten, Schulen, Universitäten, aber auch Bibliotheken oder Volkshochschulen), Gesundheitsgebäude (Krankenhäuser, Kuranstalten, Alten- und Pflegeheime), Bauten für Kultur (Museen, Theater), aber auch Objekte von Rettungsdiensten oder Polizeistationen sowie Feuerwehren. Wichtig sind auch Sport- und Freizeitanlagen sowie Parks und Spielplätze.

Alle diese Objekte und Anlagenzählen zur Alltagsarchitektur und sind damit ein wichtiger Baustein einer qualitätsvollen Baukultur.