Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen

Räume prägen uns und unser Handeln, dies gilt für Gebäude ebenso wie für städtische und dörfliche Räume und Landschaften. Als Bewohner*in von Siedlungen und Wohnhäusern sowie als Mitarbeiter*in in Büro-, Gewerbe- oder Industriebauten ist man dabei Expert*in für baukulturelle Belange des Alltags.Oftmals werden lediglich bedeutende Bauwerke, wie Kirchen oder Museen, als Architektur wahrgenommen. Entscheidend ist jedoch die Qualität jener Räume, die alle Menschen täglich benutzen.

 

Karmelitermarkt Wien

© Marie Amenitsch

Wohnen und Baukultur

Der Wohnbau ist ein wesentlicher Baukulturfaktor, weil seine Qualitäten entscheidend für die Lebensqualität der Bewohner*innen sind, weil große Summen an individuellen und öffentlichen Mitteln in diesen Sektor fließen und weil er als Ansatzpunkt für Konjunktur-, Sozial- und Planungspolitik dient.

Obwohl viele Menschen unter Baukultur vor allem herausragende Einzelbauten wie Museen, Kirchen oder Theaterbauten verstehen, ist der wichtigste Anwendungsbereich von Baukultur der Wohnbau. In diesem Bereich entscheidet sich, ob Baukultur eher positiven oder negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Bewohner*innen, also uns alle, hat. Deshalb sollten die öffentliche Hand und die Bürger*innen besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Baukultur im Wohnbau legen, ob nun im Neubau oder in der Bestandsentwicklung.

Österreich gilt international als vorbildlich in der Wohnbaupolitik. Das liegt an der spezifischen Kombination von Wohnbauförderung, Gemeinnützigkeit und Mieter*innenschutz. Die Verknüpfung von umfangreichen staatlichen Mitteln der direkten Objektförderung mit starker Präsenz gemeinnütziger Bauvereinigungen ist einzigartig, kosteneffizient und senkt Wohnkosten. Im internationalen Vergleich sind Österreichs Ausgaben im Rahmen der Wohnbaupolitik dennoch nicht besonders hoch, die positive Situation ergibt sich aus der langen Historie und Kontinuität der Förderungen, die zu entsprechend umfangreichen leistbaren Immobilienbeständen geführt hat.

Trotz Sanierungsförderung ist die angestrebte Sanierungsquote von drei Prozent heute leider immer noch außer Reichweite. Nachhaltige Siedlungsentwicklung und Nutzungsmischung im Wohnbau ist derzeit noch unterrepräsentiert. Die Bedeutung der Siedlungsentwicklung für die Mobilität der Bewohner*innen und der daraus entstehende Verkehr wird ebenfalls oft nicht ausreichend erkannt.

Eine relativ junge Möglichkeit für zukünftige Bewohner*innen, an Wohnraum zu kommen, sind Baugruppen, bei denen sich Menschen zusammenschließen, um gemeinsam zu bauen und zu leben. Oft bieten diese Projekte Nutzungsmischungen, etwa von Wohnen und Arbeiten, sowie vielfältige Nutzungsangebote wodurch Identifikationspunkte in Städten und Dörfern entstehen können.

Arbeitsplatz und Baukultur

Einen beträchtlichen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir am Arbeitsplatz. Dieser muss daher nicht nur sicher, sondern auch baulich so gestaltet sein, dass man sich dort gerne aufhält, und er nicht nur der Tätigkeit dienlich ist, sondern insgesamt die Lebensqualität der Arbeitnehmer*innen fördert.

Neben Bürogebäuden spielen Gewerbebauten und Betriebsansiedlungen für Handel, Handwerk, Industrie, Tourismus, Infrastruktur und Dienstleistung, aber auch für die Landwirtschaft eine entscheidende Rolle in Bezug auf nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Oftmals unterliegen sie jedoch weniger strengen Regelungen bzw. Prüfroutinen. Hier werden der passende ortsräumliche Standort, der zu erwartende Verkehr, der eigentliche Bedarf bzw. gemeindeübergreifende Überlegungen sowie baukulturelle Aspekte oft geringer eingeschätzt als zu erwartende Arbeitsplätze und die daraus resultierenden steuerlichen Vorteile einer Betriebsansiedlung. Mit verantwortungsvollen Planer*innen ist eine umfassendere Betrachtung aller wesentlichen Parameter und eine baukulturell qualitätsvolle Errichtung nicht nur möglich, sondern führt in den meisten Fällen zu ökonomisch langfristig besseren Projekten mit Vorteilen in der Benutzung für die Mitarbeiter*innen und darüber hinaus.

Für Mitarbeiter*innen ist die Anwendung baukultureller Prinzipien wie Barrierefreiheit, Diversität oder Inklusion ausschlaggebend. Das schafft in hohem Maß nutzbare Gebäude und Freiräume und berücksichtigt unterschiedliche Bedürfnisse von Nutzer*innen nach Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand etc.