Bodenverbrauch stoppen,
Landschaften erhalten!

Österreich ist geprägt von unterschiedlichen naturnahen Räumen und vielgestaltigen charakteristischen Landschaften. Deren Erhalt stiftet Identität und bildet die Grundlage für eine ökologisch nachhaltige Entwicklung. Mit dem Raum als natürliche Ressource wird hierzulande und auch im europäischen Vergleich jedoch auffallend sorglos umgegangen. Eine fortgesetzte flächenintensive Entwicklung von Siedlungen und Verkehrsinfrastrukturen ist ursächlich für viele schwerwiegende Probleme. Sie stellt etwa unsere Versorgungssicherheit in Frage, führt zum Verlust von Biodiversität und einer Nivellierung kultureller Vielfalt.

Flächenfraß durch Einfamilienhaussiedlungen.

Das Problem

In den Jahren 2001 bis 2018 wurde in Österreich 26 Prozent neue Flächen unter anderem für die Errichtung von Gebäuden und Infrastrukturen in Anspruch genommen, während die Bevölkerung lediglich um 10 Prozent wuchs. Das Erscheinungsbild der Landschaft verändert sich dadurch drastisch.

  • Zwischen 2015 und 2018 wurden jeden Tag 11,6 Hektar zusätzlich verbraucht.
  • Mit 1,8 Quadratmeter Supermarktfläche pro Kopf hat Österreich europaweit den höchsten Wert. Frankreich hat mit 1,2 Quadratmeter um ein Drittel weniger.
  • Mit 15 Meter hochrangigem Straßennetz pro Kopf liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Deutschland hat mit 7,9 Metern nur knapp mehr als die Hälfte.
  • Rund 400 Millionen Quadratmeter Gewerbe-, Industrie- und Wohngebäude stehen in Österreich leer. Wenn man sie nützte, könnte man den zusätzlichen Flächenverbrauch reduzieren.

Der ständig steigende Flächenverbrauch bedeutet auch, dass immer mehr Boden versiegelt wird und der Boden seine biologischen Funktionen dauerhaft verliert. Regenwasser kann kaum mehr versickern, sondern führt zu Überflutungen, ohne verdunstendes Wasser wird es immer heißer, der Boden verliert seine Fruchtbarkeit, Lebensräume für Tiere und Pflanzen gehen verloren.

  • Der jährliche Verlust von Agrarflächen beträgt 0,5 Prozent, das bedeutet 100 Prozent in ca. 140 Jahren.
  • Österreich kann sich nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen.

Bis 2010 war in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ein Zielwert für die Flächeninanspruchnahme von nicht mehr als 2,5 Hektar pro Tag vorgegeben, was nie erreicht wurde. Seither ist die Festsetzung eines Zielwertes Ländersache. Der Bodenverbrauch ist trotzdem nach wie vor viel zu hoch.

In Österreich überwiegt oft ein exzessiver Bodenverbrauch.

© Reinhard Seiß

Bau der Mühlviertler Schnellstraße, Oberösterreich

© Kurt Hörbst

Baukultur hat Lösungen!

Flächen und auch andere Ressourcen verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu nutzen, bedeutet vor allem, wieder stärker die öffentlichen Interessen statt vorwiegend private Einzelinteressen zu berücksichtigen: Raumordnung bedeutet räumliche Gemeinwohlvorsorge

Das in Österreich bestehende – durchaus reichhaltige – Instrumentarium des Bodenschutzes muss konsequenter angewendet und ausgebaut werden:

  • Innenentwicklung (Bauen im Siedlungsverband statt auf der grünen Wiese) und Nachverdichtung
  • Leerstandsmanagement
  • Baulandmobilisierung und aktive Bodenpolitik sowie
  • Vertragsraumordnung

tragen wesentlich zu einer reduzierten Flächeninanspruchnahme bei, müssen aber auch eingesetzt werden, was heute oft nicht geschieht. Aber wir haben bereits heute zu viele Flächen verbraucht und müssen zu Rückbau und Rekultivierung von bebauten Böden übergehen.

Klare Siedlungsränder sind ein Zeichen für sorgsamen Umgang mit dem Boden.

Grundlagen für Baukultur schaffen

Auch wenn die Kompetenz für den Bodenschutz in Österreich vorwiegend bei Ländern und Gemeinden liegt, könnte der Bund viel Positives dazu beitragen.

Im Gegensatz zu anderen Staaten bilden in Österreich Landesgesetze die Grundlage für die überörtliche und örtliche Raumordnung und Raumplanung. Die Vollziehung der örtlichen Raumplanung fällt nach dem Bundesverfassungsgesetz in den Wirkungsbereich der Gemeinden. Vergleichsweise ist es im benachbarten Bayern nicht möglich, dass eine einzelne Gemeinde Gewerbegebiete ausweist. Es braucht in Österreich Instrumente, mit denen man den Gemeinden einen Rahmen für ihre Widmungen vorgeben kann, um gemeinwohlschädliche Widmungen zu vermeiden. Dabei geht es um diese Prinzipien:

  • Siedlungsgrenzen müssen klar ablesbar sein.
  • Bauland darf nur dort ausgewiesen werden, wo die Bevölkerung wächst und Brachflächen und Leerstände bereits mobilisiert wurden.
  • Die Flächeninanspruchnahme muss bilanziell null sein oder vorzugsweise negativ werden.

Dazu ist eine Rahmenkompetenz des Bundes in Sachen Flächeninanspruchnahme umzusetzen.
Der verschwenderische Umgang mit Boden liegt oft darin begründet, dass er – individuell – auch finanziell einen hohen Wert darstellt. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten, die mit der ineffizienten Nutzung von Boden einhergehen, sind jedoch beträchtlich, beispielsweise die hohen Kosten für Errichtung und Betrieb von Infrastruktur in Einfamilienhaussiedlungen oder für Gewerbe- und Handelsflächen an der Peripherie: Straßen, Ver- und Entsorgungsleistungen usw. Aber auch Kosten, die der Allgemeinheit in Hinsicht auf die Versorgungssicherheit oder den Wasserhaushalt in Zukunft entstehen, sind zu berücksichtigen. Die Folgekosten des Flächenverbrauchs müssen beziffert und bekannt gemacht werden.

Zusätzliche Flächen werden in Österreich vor allem fürs Bauen verbraucht.

© Umweltbundesamt

Unser Selbstversorgungsgrad sinkt, und dennoch versiegeln wir ständig neuen Boden.

© Versorgungsbilanzen Statistik Austria, BMNT 2018

Mit Partner*innen aktiv werden

Die Notwendigkeit, Landschaft und Boden zu erhalten, liegt im Interesse aller, das ist eine Frage des Gemeinwohls.

Wichtige Aktivitäten gehen daher von unterschiedlichen Institutionen aus, mit denen Austausch und Kooperation zielführend im Sinne der Baukultur sein kann, beispielsweise der Verein Bodenfreiheit, das Klimabündnis Österreich, die Hagelversicherung und die Munus-Stiftung. Auch staatliche Stellen sind mögliche Ansprechpartner*innen, etwa die Volksanwaltschaft oder die Österreichische Raumordnungskonferenz.

Wieviel Fläche benötigt die durchschnittliche Europäer*in zur Deckung ihrer materiellen Ansprüche? Wieviel Fläche steht jeder Österreicher*in zur Verfügung?